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Der Silberbecher

Nach einiger Zeit kamen die Brüder wieder nach Ägypten, um Korn zu kaufen. Diesmal empfing sie Josef in seinem eigenen Haus. Er begrüßte sie freundlich: "Sagt, wie geht es eurem alten Vater? Lebt er noch?"
Aber plötzlich entdeckte Josef unter ihnen Benjamin, seinen jüngsten Bruder. "Ist das euer jüngster Bruder?", rief Josef bewegt. "Gott sei dir gnädig, mein Sohn!" Die Tränen schossen ihm in die Augen. Schnell lief er hinaus, schloss sich in eine Kammer ein und weinte.
Als er sich wieder gefasst hatte, ging er zu seinen Brüdern zurück und aß mit ihnen. Was hat dies alles zu bedeuten?, überlegten die Brüder. Warum ist der Ägypter plötzlich so freundlich zu uns? Und warum bekommt Benjamin fünfmal so viel zu essen wie wir?
Aber Josef ließ sich nichts anmerken. Nach dem Essen befahl er heimlich seinem Verwalter: "Fülle den Männern die Säcke mit Korn und leg das Geld wieder hinein, das sie gezahlt haben! Aber bei Benjamin leg noch meinen silbernen Becher hinzu!"
Die Brüder aber ahnten nicht, was mit ihren Säcken geschah. Am nächsten Morgen standen sie früh auf, luden die Säcke auf ihre Esel und zogen fröhlich davon.
Aber kaum hatten sie sich von der Stadt entfernt, sprengte plötzlich von hinten ein Reiter heran. Es war Josefs Verwalter. "Halt!", rief er streng. "Bleibt stehen, ihr Diebe! Was fällt euch ein? Ihr habt meinem Herrn den silbernen Becher gestohlen."
"Das ist nicht wahr!", riefen die Brüder empört. "Wir sind keine Diebe. Wir haben den Becher nicht. Schau selbst in unseren Säcken nach! Wenn du den Becher dort findest, wollen wir euch als Sklaven dienen."
"Recht so!", rief der Verwalter. "Mein Herr wird den Dieb zum Sklaven machen. Die anderen aber sind frei."
Da luden die Brüder ihre Säcke von den Eseln, banden sie auf und zeigten sie dem Verwalter. Der aber durchsuchte alle Säcke, auch Benjamins Kornsack. Und tatsächlich! Aus seinem Sack zog er den silbernen Becher hervor.
Die Brüder waren sprachlos. Wie kam der Becher nur in Benjamins Kornsack? Was würde nun aus Benjamin? Schnell luden sie wieder die Säcke auf ihre Esel und zogen mit Benjamin zu Josef zurück, warfen sich vor ihm auf die Erde und stammelten: "Wir alle sind schuldig. Mach uns alle zu deinen Sklaven!"
"Aber nein!", fiel ihnen Josef ins Wort. Nur der soll mein Sklave sein, der den Becher gestohlen hat." Da stand Juda auf und bat: "Ach Herr, erlaube mir eine Bitte! Mach bitte mich zum Sklaven an Benjamins Stelle! Wenn Benjamin nicht mehr heimkommt, dann stirbt unser Vater vor Kummer. Er hat schon einen Sohn auf diese Weise verloren."

Vgl. 1. Mose 42, 29-38; 43; 44

Quelle überwiegend: Neukirchener Kinder-Bibel v. Irmgard Weth, Kalenderverlag des Erziehungsvereins Neukirchen-Vluyn
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