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Josef der Verwalter

Bald darauf traf ein, was Josef vorhergesagt hatte. Es gab Korn in Fülle. Alle konnten essen, so viel sie wollten. Und es blieb immer noch genug Korn übrig, mehr als genug. Da ließ Josef große Speicher bauen und füllte sie mit Korn, eine riesige Menge, so viel wie der Sand am Meer.
Aber nach sieben Jahren kam eine Dürrezeit. Es regnete nicht mehr. Die Sonne versengte das Land. Die Erde trocknete aus. Auf den Feldern verdorrte das Korn. Und in allen Ländern brach eine große Hungersnot aus. Da kamen die Menschen in großen Scharen zu Josef und baten ihn: "Verkauf uns etwas von deinem Korn, damit wir nicht verhungern!" Und Josef öffnete seine Speicher und gab ihnen Korn, so viel sie brauchten.

Eines Tages aber kamen zehn Männer aus einem fernen Land, um Korn bei Josef zu kaufen. Als Josef sie sah, traute er seinen Augen nicht. Vor ihm standen seine eigenen Brüder! Sie warfen sich vor ihm auf die Erde wie vor einem König. Genauso hatte er es einst in seinem Traum vorhergesehen. Josef überlegte: Ob seine Brüder auch ihn wiedererkannten? Nein, sie ahnten gewiss nicht, wer vor ihnen stand! Da beschloss Josef, seine Brüder auf die Probe zu stellen. "Wer seid ihr?", fragte er streng. "Und woher kommt ihr?" "Aus dem Land Kanaan", antworteten sie. "In unserem Land gibt es kein Korn mehr. Darum sind wir hierher gekommen, um Korn zu kaufen." "Nein!", unterbrach sie Josef. "Ihr lügt! Ihr seid Spione! Ihr wollt nur unser Land ausspionieren." "Aber nein!", riefen die Brüder erschrocken. "Wir sind ehrliche Leute und gehören alle zu einer Familie. Zwölf Brüder sind wir. Aber zwei Brüder fehlen. Der jüngste Bruder ist bei unserem Vater geblieben. Und der zweit jüngste lebt schon lange nicht mehr." Doch Josef unterbrach sie wieder: "Ich glaube euch nicht. Bringt euren jüngsten Bruder zu mir! Dann will ich euch glauben." Darauf ließ er alle zehn Brüder einsperren. Aber nach drei Tagen ließ er sie wieder frei und befahl ihnen: "Nehmt nun euer Korn und zieht mit ihm nach Hause! Aber kommt bald wieder zurück und bringt euren jüngsten Bruder mit! Dann will ich sehen, ob ihr ehrliche Leute seid. Einer von euch soll solange als Geisel hierbleiben, bis ihr zurückkommt." Die Brüder sahen sich entsetzt an. "Seht", sagten sie zueinander, "das ist die Strafe für alles, was wir Josef angetan haben. Wisst ihr noch, wie er uns anflehte, als wir ihn in den Brunnen warfen? Aber wir hörten nicht auf ihn." "Ich habe es euch ja gesagt", warf ihnen Ruben vor. "Aber ihr habt nicht auf mich gehört. Nun müssen wir es büßen." Als Josef das hörte, wandte er sich ab und wischte sich verstohlen Tränen aus seinen Augen. Dann nahm er einen Bruder als Geisel, ließ ihn fesseln und sperrte ihn ein. Aber die anderen Brüder ließ er ziehen. Als aber die Brüder zu Hause ankamen und ihre Kornsäcke ausleerten, fanden sie in jedem Sack einen Beutel mit Geld versteckt. Die Brüder sahen sich bestürzt an. "Das ist doch das Geld, das wir dem Ägypter für das Korn gezahlt haben!", riefen sie erschrocken. "Wie kommt es denn auf einmal wieder in unseren Kornsack? Am Ende denkt der Ägypter noch, wir hätten ihn betrogen." Aber niemand kam auf den Gedanken, dass der Ägypter absichtlich das Geld in ihren Sack gesteckt hatte. Und niemand ahnte, dass dieser Ägypter in Wahrheit ihr Bruder war.

Vgl. 1. Mose 41, 47-49.53-57; 42, 1-28

Quelle überwiegend: Neukirchener Kinder-Bibel v. Irmgard Weth, Kalenderverlag des Erziehungsvereins Neukirchen-Vluyn
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